Alles Wichtige zur Maßnahme, Vorbereitung, Umsetzung und Pflege
Die Muldenversickerung ist eine effektive Form der Regenwasserversickerung, die du relativ einfach baulich selbst umsetzen kannst.
Das Grundprinzip der Muldenversickerung
Mit einer Muldenversickerung hilfst du mit, das wertvolle Regenwasser im Kreislauf zu behalten und das Mikroklima zu verbessern. Eine Mulde ist eine flache Vertiefung in einer Grünfläche mit einem ebenen Boden, in die das Regenwasser in der Regel oberirdisch eingeleitet wird. Die Mulde dient als kurzzeitiger Zwischenspeicher für stärkere Regenfälle, bei denen das Wasser nicht so schnell versickern kann. Sie bietet dir neue Gestaltungsmöglichkeiten und trägt – mit einer geeigneten Bepflanzung – zur Biodiversität Biodiversität umfasst die Vielfältigkeit aller lebenden Organismen, zum Beispiel Tiere, Pflanzen, Pilze und Bakterien, genetische Vielfalt und die Variationsbreite der Ökosysteme und Lebensräume. Sie ist eine der wichtigsten Grundlagen unseres Lebens. Auch in Städten ist Biodiversität wichtig: Artenreiche Bepflanzungen sind wichtig für Insekten und Tiere. Mehr erfahren bei.
Check: Voraussetzungen und wichtige Hinweise zur Planung
Die Muldenversickerung ist ein geeignetes Verfahren für dich, wenn …
du Wasser, das sich bei Regen auf Dachflächen, Wegen, Terrassen oder Stellplätzen sammelt, zur Versickerung Wenn Flächen frei von Beton und Asphalt, also nicht versiegelt sind, kann Niederschlag in tiefere Erdschichten gelangen oder in unterirdische Wasserspeicher (Rigolen, Zisternen). Mehr erfahren bringen willst
du dabei Wert legst auf die bewusste Gestaltung eines Bereichs in deinem Garten, der durch ein größeres Wasserangebot spezieller Vegetation einen Standort bietet – Stichwort: Biodiversität
die Gefälleverhältnisse und der Abstand zum Grundwasser Grundwasser entsteht unter anderem durch Niederschlagswasser, das durch die Boden- und Gesteinsschichten sickert, bis es auf undurchlässige Schichten trifft, die seine weitere Bewegung nach unten verhindern. Mehr erfahren es zulassen (Siehe dazu Schritt 7 der Bauanleitung)
dir genug Fläche zur Verfügung steht (Nutze zur Ermittlung der benötigten Fläche den Online-Rechner)
Das solltest du vor dem Start beachten:
Lies dir unbedingt vorab diese gesamte Bauanleitung durch und plane die einzelnen Schritte sorgfältig.
Erkundige dich bei deiner Stadt über die jeweiligen kommunalen Vorgaben und Genehmigungen zum Bau deiner Versickerungsanlage.
Prüfe vorab die Durchlässigkeit des Bodens mithilfe des Bodentest, ermittle die benötigte Fläche mithilfe des Online-Rechners und plane die gewünschte Bepflanzung.
Stelle sicher, dass der Boden der geplanten Mulde mindestens einen Meter Abstand zum Grundwasser hat. Die Tiefe, ab der du in deinem Grundstück auf Grundwasser stößt, erfährst du ebenfalls über die Untere Wasserbehörde deiner Stadt.
Falls du eine gepflasterte Zulaufrinne anlegen möchtest (siehe Schritt 8–10), brauchst du zusätzlich:
Spatel
Gummihammer
Mischeimer
Rinnenmaterial
Sand
Mörtel
Ist deine Fläche noch befestigt?
Handelt es sich um eine aktuell noch befestigte Fläche, lies in der Bauanleitung zur Entsiegelung Bei einer Entsiegelung werden wasserundurchlässige Böden wie Asphalt, Betonflächen oder Pflastersteine entfernt und durch Wiese, versickerungsfähiges Pflaster (zum Beispiel Rasengittersteine), Beete oder andere wasserdurchlässige Varianten ersetzt. Mehr erfahren nach, wie du sie fachgerecht entsiegelst.
Stecke auf der Wiese die Fläche für die Mulde ab (A).
Nutze eine Wasserwaage, um die Schnur waagerecht auszurichten (B). Bei einer leichten Neigung des Geländes orientierst du dich an der höheren Seite als Oberkante, an der die Schnur waagerecht ausgerichtet wird.
Plane auch schon einen Bereich für die Böschung ein (C). Sie sollte etwa doppelt so breit sein wie die spätere Muldentiefe. Bei einer 10 cm tiefen Mulde benötigst du also zusätzlich 20 cm rund um den eigentlichen Muldenbereich.
Damit das Wasser vom Fallrohr in die Mulde gelangt, muss die Sohle der Mulde ausreichend tief liegen und ein durchgängiges Gefälle vorhanden sein (vgl. Schritt 7). Bei Gegengefälle gibt es Möglichkeiten zur Überbrückung vom Fallrohr aus, informiere dich im Internet oder bei Fachfirmen.
Entferne die vorhandene Oberfläche.
Falls heute Rasen auf der Fläche ist, den du später wieder verwenden möchtest, solltest du gleichmäßige Stücke abstechen (A) und sie mit der bewachsenen Fläche nach oben lagern (B). Lagerst du sie länger als zwei Tage, musst du dafür sorgen, dass sie mit Licht, Luft und Wasser versorgt sind, also eventuell gießen und umschichten.
Wenn du heute andere Pflanzen auf der Oberfläche hast, die du wieder verwenden willst, musst du sie ebenfalls für die Bauphase geschützt lagern und eventuell gießen.
Hebe die Mulde aus.
Miss die Tiefe dabei ausgehend von der waagerecht ausgerichteten Schnur. Wie tief musst du graben? Mindestens so tief, wie die Mulde später werden soll. Um Platz für eventuell wieder einzusetzende Rasenflächen zu haben, musst du sie etwas tiefer graben. Ändert sich die Bodenbeschaffenheit beim Graben (A), hebe 5 bis 10 cm mehr aus und setze stattdessen vom dunkleren Oberboden (B) wieder eine Schicht ein. Das ist sinnvoll, da der Oberboden am besten wasserdurchlässig ist.
Falls die Oberfläche heute mit Pflastersteinen oder Asphalt befestigt ist, musst du den Untergrund, der für die Belastbarkeit der Fläche sorgt (Schotter etc.), vollständig entfernen. Er ist meist nicht ausreichend wasserdurchlässig. Gräbst du dafür tiefer, als die Mulde werden soll, musst du im Austausch zusätzlichen Boden besorgen, mit dem du den Untergrund der Muldenfläche bildest.
Lege den abfallenden Böschungsbereich an und gestalte den Untergrund des Muldenbodens möglichst eben.
Ein ebener und waagerecht ausgerichteter Muldenboden ermöglicht eine optimale Sickerleistung. Nutze dafür eine lange Wasserwaage (A).
Verdichte den Boden nur leicht, aber gleichmäßig und lockere besonders feste Bereiche mit der Harke (B).
Vermeide in dieser Bauphase hohes Gewicht auf der Mulde.
Gestalte die Oberfläche deiner Mulde.
Wenn du in Schritt 2 Rasenstücke zur Seite gelegt hast, setzt du sie jetzt wieder ein, drückst sie an und sorgst in den ersten zwei Wochen dafür, dass sie ausreichend mit Wasser versorgt sind und wieder anwachsen.
Falls du die Muldenfläche neu einsäst, achte auf heimische, blütenreiche, mehrjährige Mischungen mit langer Blühdauer (siehe Infos zur biodiversen Bepflanzung).
Wann kannst du die Mulde in Betrieb nehmen?
Bei einer Rasenmulde (A): Wenn die Rasenstücke wieder gut angewachsen beziehungsweise eine neue Rasensaat schon gesprossen ist und zweimal gemäht wurde. Sonst kann es zu Bodenabtrag kommen und die Mulde funktioniert auf Dauer nicht gut.
Bei einer mit Stauden oder Sträuchern bepflanzten Mulde (B): sofort.
Achte im ersten Jahr besonders gut darauf, dass es keine Furchen in der Sohle gibt. Nach stärkerem Regen musst du die Erde vielleicht noch einmal glätten.
Lege eine Zuleitung vom Fallrohr zur Mulde an.
Wichtig: Achte beim Anlegen der Zuleitung auf ein Gefälle von mindestens 1 %, also: mindestens 1 cm Gefälle bei einer 1 m langen Rinne, mindestens 4 cm bei einer Rinne von 4 m.
Die einfachste Möglichkeit stellt eine gepflasterte Rinne dar.
Du hast die Wahl zwischen verschiedenen Pflastermaterialien.
In Hausnähe (1 bis 2 m) ist es empfehlenswert, die Pflasterfugen mit wasserdichtem Material auszufüllen.
Anleitungen zum Anlegen der Zuleitung findest du online, zum Beispiel auf Websites von Baumärkten.
Entkopple das Fallrohr von der Kanalisation.
Trenne dafür das Fallrohr so weit oberhalb des Bodens (A), dass du einen Fallrohrbogen ansetzen kannst.
Das Standrohr durchtrennst du ein Stück oberhalb der Erdoberfläche (B).
Achtung: Erkundige dich vorher bei deiner Stadt, ob du hier besondere Vorgaben beachten musst. Es kann zum Beispiel sein, dass das Rohr bis zu einer bestimmten Tiefe entfernt werden muss.
Verschließe das Standrohr fest mit einem Stutzen.
So stellst du sicher, dass keine Erde in die Kanalisation gelangt. Anschließend wird das Loch zugeschüttet (z. B. mit Erde).
Setz den neuen Fallrohrbogen an das Fallrohr an.
Der Fallrohrbogen leitet das Wasser über die Rinne zur Mulde.
Er sollte nicht unmittelbar an der Hauswand enden, sondern lang genug sein, dass das Wasser auch bei stärkeren Regenfällen nicht zum Gebäude zurückfließt.
Um langfristig eine gute Versickerungs leistung zu erhalten, beachte folgende Hinweise: Wenn du die Mulde weniger als vierteljährlich mähst, entferne das Mähgut regelmäßig. Eine lockere Laubschicht im Herbst muss nicht sofort beseitigt werden, aber auch hier solltest du dafür sorgen, dass die Mulde sich nicht zu sehr zusetzt. Falls die Ver sickerungsleistung über die Jahre schlechter wird, kannst du den Boden mit dem Vertikutierer bearbeiten und zur besseren Durchlässigkeit etwas Sand in den Boden einbringen.
Gut zu wissen
Bei starkem Gefälle kannst du eventuell auf die Pflasterung der Rinne verzichten. Eine Alternative zur gepflasterten Rinne kann außerdem eine oberirdische Rohrleitung oder – bei einem stark abschüssigen Hanggrundstück – eine unterirdische Zuleitung sein.
Biodiverse Bepflanzung
Idealerweise wählst du eine ökologisch sinnvolle Alternative zum normalen Rasen, denn es gibt artenfreundliche Mischungen jenseits der Standardrasensorten. Zum Einsähen eignen sich insbesondere heimische, blütenreiche, mehrjährige Mischungen mit langer Blühdauer. Sie machen deine Muldenversickerungsanlage nicht nur zum Hingucker, sondern sind auch ökologisch sinnvoll. Die Begrünung mit Stauden, Gräsern und Geophyten übernimmt ebenfalls Versickerungsfunktionen und stärkt die Biodiversität. Gut zu wissen: Mehr Biodiversität wird bei Inanspruchnahme einer Förderung besonders belohnt! Wertvolle Tipps zur ökologisch sinnvollen Begrünung findest du in unserer „Arbeitshilfe Biodiversität“.
Mit einer Reihe von Fördermaßnahmen unterstützen wir dein Engagement finanziell. Schau dir die Fördermöglichkeiten unbedingt an, sobald du dich entschieden hast, welches Projekt du angehen willst. Eine Übersicht der Fördermaßnahmen haben wir dir online zusammengestellt. Wichtig: Stelle deinen Antrag rechtzeitig, da du erst nach Erhalt der Förderzusage mit dem Bau beginnen darfst.
Die in dieser Anleitung enthaltenen Informationen wurden nach bestem Wissen und gemäß dem aktuellen Stand der Technik erstellt. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Emschergenossenschaft/Lippeverband (EGLV) und die Zukunftsinitiative Klima.Werk Die Zukunftsinitiative Klima.Werk ist ein Bündnis aus Kommunen in der Emscher-Lippe-Region und von Emschergenossenschaft/Lippeverband. Mehr erfahren keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität der Angaben. Die Verwendung der Anleitung erfolgt auf eigene Gefahr. EGLV und Klima.Werk haften nicht für etwaige Schäden, die durch die Umsetzung der Anweisungen entstehen, gleich aus welchem Rechtsgrund, insbesondere nicht für Schäden an Personen, Sachwerten oder Folgeschäden.
Weitere Informationen
Klimaförderung
Um unsere Region klimarobust zu machen, ist der Umbau nach dem Schwammstadt Die Schwammstadt ist ein Konzept der Stadtplanung: Die Stadt soll mit „Poren“ ausgestattet werden, die Regenwasser wie ein Schwamm aufsaugen, speichern und schließlich wieder abgeben. Mehr erfahren -Prinzip dringend notwendig. Die Maßnahmen zur Klimaanpassung Klimafolgenanpassung umfasst Maßnahmen, um die negativen Folgen des Klimawandels zu begrenzen und die Widerstandsfähigkeit von Mensch und Umwelt zu stärken. Dazu gehören zum Beispiel Hitzeschutz in Städten, wasserbewusste Stadtplanung oder der Umbau von Infrastrukturen gemäß des Schwammstadtprinzips. Mehr erfahren kosten Geld – aber du musst die Kosten nicht allein tragen. Profitiere einfach von Fördermitteln. Wir zeigen dir, welche Förderung die richtige für dich ist.
Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung sind unverzichtbar, um unsere Städte widerstandsfähiger zu machen und Schäden an Infrastruktur sowie Risiken für die menschliche Gesundheit zu minimieren.
Hier findest du alles Wichtige zur Maßnahme, Vorbereitung, Umsetzung und Pflege. Durchlässige Befestigungen ermöglichen dir, Flächen auch während und nach Regen fällen uneingeschränkt betreten zu können, ohne auf eine gute Wasserdurchlässigkeit der Fläche zu verzichten.