Von grau zu grün: Erhöhte Feinstaubwerte sind an der stark befahrenen Gladbecker Straße in Essen keine Seltenheit. Eine Fassadenbegrünung im WesterdorfQuartier schafft auf 180 Quadrametern Abhilfe.
Mehr grüner Lebensraum
Bodengebundenen Efeu, welcher sich am Haus hochrankt, kennt jeder. Wandgebundene Fassadenbegrünungen sind hingegen eher neue Randerscheinungen. In der Gladbecker Straße, einer der meistbefahrenen Straßen in Essen, hat die Allbau GmbH auf 180 Quadratmeter Hausfassaden in drei Bauabschnitten begrünt. Die Argumente sprechen für sich:
Begrünungen verbessern durch Beschattung, Wasserrückhalt sowie Verdunstung Verdunstung beschreibt den Prozess, bei dem Wasser vom flüssigen Zustand gasförmig wird und so in die Luft übergeht. Der Prozess ist Teil des natürlichen Wasserkreislaufs. In Schwammstädten wird Regenwasser von durchlässigen Flächen aufgenommen und kann so versickern oder verdunsten. Während der Verdunstung wird der Umgebung Wärme entzogen und durch den Kühlungseffekt verbessert sich das Mikroklima. Mehr erfahren das Mikroklima. Sie funktionieren wie natürliche Klimaanlagen.
Pflanzen kurbeln als grüne Lunge die Sauerstoffproduktion an.
Grüne Flächen sind gesund: Durch die Bindung von Feinstaub und CO2verbessert sich die Luftqualität.
Neben der optischen Aufwertung des Hauses bietet eine Begrünung der Fassade Schutz vor Witterung.
Eine Wandbegrünung wirkt isolierend und trägt zur Lärmminderung bei.
Zusätzlich wirkt sich das Grün positiv auf die Biodiversität Biodiversität umfasst die Vielfältigkeit aller lebenden Organismen, zum Beispiel Tiere, Pflanzen, Pilze und Bakterien, genetische Vielfalt und die Variationsbreite der Ökosysteme und Lebensräume. Sie ist eine der wichtigsten Grundlagen unseres Lebens. Auch in Städten ist Biodiversität wichtig: Artenreiche Bepflanzungen sind wichtig für Insekten und Tiere. Mehr erfahren aus. Es bietet vielen Insekten wie Bienen oder Vögeln ein neues Zuhause.
Regenwasser sinnvoll nutzen
Bei den Gebäuden in der Gladbecker Straße besteht die technische Lösung der Allbau GmbH in einer wandgebundenen Tragkonstruktion, die direkt an die Wand angebracht wird. Diese befindet sich mehrere Meter über den Boden und hat somit keinen Anschluss zum Erdreich. Die Pflanzen samt Substrat werden in den Trögen mithilfe eines Tropfbewässerungsschlauches mit Regenwasser versorgt. „Somit wird nicht nur das Abwassersystem entlastet, sondern auch das Regenwasser sinnvoll genutzt“, so Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender Emschergenossenschaft und Lippeverband. Da sauberes Regenwasser nicht mehr in die Kanalisation Mit Kanalisation wird das System aus Rohren und Zusatzbauten beschrieben, die gesammeltes Schmutz- und/oder Regenwasser zu Kläranlagen oder direkt in Gewässer einleiten. Mehr erfahren strömt und weiter zu den Kläranlagen geleitet wird, zahlt die Maßnahme im WesterdorfQuartier auf die Klimafolgenanpassung Klimafolgenanpassung umfasst Maßnahmen, um die negativen Folgen des Klimawandels zu begrenzen und die Widerstandsfähigkeit von Mensch und Umwelt zu stärken. Dazu gehören zum Beispiel Hitzeschutz in Städten, wasserbewusste Stadtplanung oder der Umbau von Infrastrukturen gemäß des Schwammstadtprinzips. Mehr erfahren der Stadt Essen ein.
Wir müssen lernen, mit den Auswirkungen des Klimawandels umzugehen und Klimaanpassungsmaßnahmen vorantreiben. Das kann man aber nicht allein schaffen. Deshalb ist die Partnerschaft zwischen Wasser- und Wohnungswirtschaft so wichtig.
Prof. Dr. Uli Paetzel
Vorstandsvorsitzender Emschergenossenschaft und Lippeverband
Aktiv gegen Feinstaub
Fassadenbegrünungen haben nicht nur positive Auswirkungen auf das Klima, sondern filtern auch Stickoxide und Feinstaubpartikel, die vor allem durch Verkehr zustande kommen. Diese können negative Folgen für die Gesundheit mit sich bringen: Atemwegserkrankungen, Diabetes, Herz- und Kreislauferkrankungen und Krebs sind mögliche Folgekrankheiten.
Die viel befahrene Gladbecker Straße bietet sich daher für eine Fassadenbegrünung Fassadenbegrünung ist eine Form der Gebäudebegrünung Mehr erfahren an – das sieht auch Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen so: „Die Gladbecker Straße ist eine der hochfrequentierten Straßen unserer Stadt, an der in der Vergangenheit durch das hohe Verkehrsaufkommen häufig erhöhte Feinstaubwerte gemessen wurden. Dieses Projekt Fassadenbegrünung kann neben den bereits bestehenden Maßnahmen ein weiterer Baustein sein, der dabei hilft, dass die Belastung durch Feinstäube auch weiterhin reduziert wird. Dabei sollte es Pilotcharakter haben und auch an anderen Stellen mit ähnlichen Voraussetzungen umgesetzt werden!“
Die Gladbecker Straße erblüht
Die grünen Farbtupfer können beinahe an jeder Hauswand und ohne großen Aufwand montiert werden. Grundsätzlich gibt es viele Möglichkeiten, eine Hauswand zu begrünen. Dies ist abhängig von der Art und Beschaffenheit der Fassade sowie der Wahl der Pflanzen. „Neben Kletterpflanzen kommen überwiegend Stauden, Kleingehölze, Gräser Gräserarten sind in extensiven Dachbegrünungen beliebt. Neben den bekannten „normalen“ Rasensorten, die es im Garten selten bis zur Blüte schaffen, gibt es Gräser in sehr unterschiedlichen Größen, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten und in unterschiedlichen Farben blühen. Mehr erfahren und Farne zum Einsatz – an der Gladbecker Straße haben wir uns vor allem für blühende Pflanzen entschieden“, erklärt Allbau-Geschäftsführer Dirk Miklikowski.
Art
der Begrünung: wandgebundene Fassadenbegrünung
180
m² ist die Fläche groß
450.000
Euro betrugen die Kosten
265.000
Euro Förderung kam von Land NRW und Emschergenossenschaft
2020/21
wurde in drei Bauabschnitten gebaut
Mit Taten gegen den Klimawandel
Die Kosten für die Fassadenbegrünung der drei Bauabschnitte beliefen sich für den Eigentümer Allbau GmbH etwa auf 450.000 Euro. Bezuschusst wurde das Projekt mit insgesamt 265.000 Euro vom Land NRW und der Emschergenossenschaft als Teil der Zukunftsinitiative Klima.Werk Die Zukunftsinitiative Klima.Werk ist ein Bündnis aus Kommunen in der Emscher-Lippe-Region und von Emschergenossenschaft/Lippeverband. Mehr erfahren . Die Fassadenbegrünung in der Gladbecker Straße ist ein Beitrag für die „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ (KRiS). Im Rahmen des Projekts werden Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung in allen 53 Städten und Gemeinden des Regionalverbandes Ruhr (RVR) gefördert. Das Ziel: bis 2030 rund 25 Prozent der befestigten Flächen in ausgewiesenen Betrachtungsräumen von der Mischwasserkanalisation Eine Mischwasserkanalisation leitet Schmutzwasser und Regenwasser über eine gemeinsame Leitung ab. Mehr erfahren abkoppeln und die Verdunstungsrate um zehn Prozentpunkte steigern.
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