Der Umbau der Entwässerung weg von der Ableitung durch die Kanalisation zur Kläranlage und hin zur naturnahen Regenwasserbewirtschaftung ist auch nachträglich im Bestand erfolgreich möglich – genau das zeigt dieses Projekt.
Allein das Krankenhaus und die Stadt sparen durch die Abkoppelung des Regenwassers von der Kanalisation Mit Kanalisation wird das System aus Rohren und Zusatzbauten beschrieben, die gesammeltes Schmutz- und/oder Regenwasser zu Kläranlagen oder direkt in Gewässer einleiten. Mehr erfahren enorme Kosten. Zudem profitieren Kleinklima und Biodiversität Biodiversität umfasst die Vielfältigkeit aller lebenden Organismen, zum Beispiel Tiere, Pflanzen, Pilze und Bakterien, genetische Vielfalt und die Variationsbreite der Ökosysteme und Lebensräume. Sie ist eine der wichtigsten Grundlagen unseres Lebens. Auch in Städten ist Biodiversität wichtig: Artenreiche Bepflanzungen sind wichtig für Insekten und Tiere. Mehr erfahren von der naturnahen Gestaltung des Geländes. Gleichzeitig steigt der Erholungswert für Patient:innen und Beschäftigte.
Anfang des Jahrtausends splittete die Stadt Recklinghausen die Gebühren Für den Anschluss von Grundstücken an die öffentliche Kanalisation werden von Kommunen Entwässerungsgebühren erhoben. Mehr erfahren für Schmutz- und Regenwasser. Dadurch ergab sich für das Prosper-Hospital wie auch für andere Grundstückseigner in der Stadt die Chance, das Regenwasser großflächig von der Kanalisation abzukoppeln und damit die laufenden Abwassergebühren deutlich zu senken. Denn das saubere Regenwasser versickert dann auf dem eigenen Gelände und muss nicht mehr durch die Kläranlagen geschickt werden.
Die Idee zur Abkoppelung von Dach-, Wege- und Hofflächen des Krankenhauses hatte das Planungsbüro Landschaft + Siedlung aus Recklinghausen, das auch die Stadt Recklinghausen und die Emschergenossenschaft mit ins Boot holte. In einem ersten Schritt koppelten die Landschaftsplaner:innen im Jahr 2004/2005 etwa 4,2 Hektar der befestigten Fläche ab, in den folgenden Jahren kamen nach Umbauten verschiedener Gebäude weitere 0,5 Hektar hinzu. Erstmals wurde im Stadtgebiet eine so große Fläche abgetrennt. Die Stadt Recklinghausen zeichnete das wegweisende Projekt 2005 denn auch mit dem städtischen Klimaschutzpreis aus.
Dieses Projekt zeigt, wie das Zusammenspiel von blau und grün Lebensqualität, Kleinklima & Biodiversität verbessert.
Ulrike Raasch
Mitarbeiterin in der Serviceorganisation der Zukunftsinitiative Klima.Werk bei der Emschergenossenschaft
Neuer Weg des Regenwassers
Für eine oberflächige Ableitung des Regenwassers war das großzügige Gelände am Prosper-Hospital mit seiner Hanglage nahezu ideal. In enger Abstimmung mit dem Auftraggeber:innen und den Fachplaner:innen legten Landschaftsgärtner:innen ein vernetztes Entwässerungssystem aus offenen Rinnen, Mulden, extensiven Wiesen, Teichen und Überläufen an. Der Krankenhaus-Betrieb lief derweil ungehindert weiter.
Zum Ausgleich der Topografie wurden Muldenkaskaden mit oberflächigen Überleitungsrinnen gebaut, die das Wasser, das in den jeweiligen Mulden nicht selbst versickerte, von der obersten Mulde im Norden Stufe für Stufe bis in die unterste Mulde weiterleiten. Von dort gelangt das überschüssige Wasser in den historischen Teich, in dem es sich bis zu einem Meter hoch aufstauen kann. Steigt das Wasser nach Starkregen Fällt in kurzer Zeit viel Regen, spricht man von "Starkregen". Mehr erfahren noch höher, fließt es von dort in einen Notüberlauf und in eine 30 Meter lange Mulde, wo es in der umliegenden Wiese versickert. Unter den Straßen, die den Hang queren, verlegten die Landschaftsgärtner Rohre, mit denen das Wasser weitergeführt wird. Die Animation zeigt den Wasserfluss zwischen den Mulden:
Das gesamte System stärkt den natürlichen Wasserkreislauf „Wasserkreislauf“ ist die Zirkulation von Wasser zwischen den verschiedenen Sphären der Erde durch ständige Zustandsveränderung (Veränderung des Aggregatzustands: fest, flüssig, gasförmig). Mehr erfahren und speist zudem das Grundwasser Grundwasser entsteht unter anderem durch Niederschlagswasser, das durch die Boden- und Gesteinsschichten sickert, bis es auf undurchlässige Schichten trifft, die seine weitere Bewegung nach unten verhindern. Mehr erfahren . „In den vergangenen Jahren ist das Projekt immer besser geworden“, resümiert Ulrike Raasch, Projektentwicklerin in der Serviceorganisation der Zukunftsinitiative Klima.Werk Die Serviceorganisation (SO) bei Emschergenossenschaft und Lippeverband unterstützt die Städte der Zukunftsinitiative Klima. Mehr erfahren . Denn die mittlerweile in die Tiefe gewachsenen Wurzeln der vielen Stauden, die hier zusätzlich gepflanzt worden sind, verbesserten die Versickerung Wenn Flächen frei von Beton und Asphalt, also nicht versiegelt sind, kann Niederschlag in tiefere Erdschichten gelangen oder in unterirdische Wasserspeicher (Rigolen, Zisternen). Mehr erfahren des Regenwassers.
Der harmonisch gestaltete Krankenhaus-Park schafft eine entspannte Atmosphäre.
Das Regenwasser versickert in Mulden, Wiesen und offenen Rinnen auf dem Gelände.
Sieht gut aus: eine der oberen Mulden nach einem Regenguss.
Eine Straße quert eine offene Ableitungsrinne.
Das Wasser begleitet die Besucher entlang vieler Wege.
Viele Seiten profitieren von der neuen blau-grünen Landschaft
Bereits im Jahr nach der Realisierung sparte das Prosper-Hospital über 30.000 Euro an Abwassergebühren. Weil das Hospital von den 355.000 Euro Planungs- und Umsetzungskosten im ersten Schritt durch die Förderung der Emschergenossenschaft lediglich 52.000 Euro selber tragen musste, amortisierte sich die Investition schon im zweiten Jahr. Pro Jahr werden heute 32.800 Kubikmeter Wasser von der Kanalisation ferngehalten.
Für die Stadt Recklinghausen reduzierte sich der Sanierungsbedarf für das Kanalnetz. Der Abschnitt der Kanalisation, der saniert werden musste, verringerte sich deutlich und die Stadt sparte so rund 10 Prozent der Sanierungskosten ein.
Das Kleinklima und die Biodiversität verbesserten sich durch Wasserelemente, Wiesen und Pflanzungen. Der naturnahe Wasserkreislauf und das Grundwasser profitieren ebenfalls.
Die Erlebbarkeit von Wasser macht das Krankenhausgelände zu einem Ort der Entspannung für Patient:innen, Beschäftige und Besucher:innen.
Der historische Teich führt heute mehr Wasser. Er muss nicht mehr so häufig über die Brunnenpumpe nachgespeist werden, um Verdunstungen auszugleichen.
Bisher hat das vernetzte Entwässerungssystem alle Regenwassermengen bewältigen können, sehr zur Freude der Anwohner:innen unterhalb des Hanges.
Motiviert durch den Erfolg des Prosper-Hospitals sind in Recklinghausen weitere Abkoppelungsprojekte auf den Weg gebracht worden: Das Rathaus, das Stadthaus A und das Gelände rund um die Metro, das etwa 3,6 Hektar umfasst, wurden von der Kanalisation abgetrennt.
Förderung durch die ZVR (Zukunftsvereinbarung Regenwasser)
52.000€
Eigenanteil des Prosper-Hospitals für 4,2 ha
30.000€
und mehr spart das Krankenhaus im Jahr an Betriebskosten
Weitere Informationen
Förderung für Klimaanpassung
Geld für den Wandel
Profitiere von Fördermitteln und trage zur Schwammstadt Die Schwammstadt ist ein Konzept der Stadtplanung: Die Stadt soll mit „Poren“ ausgestattet werden, die Regenwasser wie ein Schwamm aufsaugen, speichern und schließlich wieder abgeben. Mehr erfahren der Zukunft bei. Wir zeigen dir, welche Förderung die richtige für dich ist.
Das gemeinsame Ziel ist klar: eine lebenswerte, blau-grüne, klimarobuste Emscher-Lippe-Region. Die Zukunftsinitiative Klima.Werk Die Zukunftsinitiative Klima.Werk ist ein Bündnis aus Kommunen in der Emscher-Lippe-Region und von Emschergenossenschaft/Lippeverband. Mehr erfahren hat mit ihren kommunalen Mitgliedern Arbeitsabläufe etabliert, die ein gemeinsames Handeln ermöglichen.
Wie eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung für einen ganzen Stadtteil-Bezirk erfolgreich geplant und klimaresilient umgesetzt werden kann, beweist die Großwohnsiedlung Scharnhorst im grünen Nord-Osten von Dortmund.