Das Klima.Werk-Forum hat Ende Oktober erstmals unter neuem Namen stattgefunden.
Als Gastgeberin des zehnten Forums lud dieses Jahr die Stadt Gladbeck Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Stadtplanung und Wasserwirtschaft ein, um gemeinsam an Lösungen für die wasserbewusste Stadtentwicklung zu arbeiten.
Die Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck füllte sich schnell. Schon kurz nach Einlass herrschte reger Austausch. Altbekannte, aber auch ganz viele neue Gesichter waren zu sehen. Für viele ist das Treffen eine Gelegenheit, Kontakte zu pflegen, aus dem Arbeitsalltag auszubrechen, Energie zu tanken und mit neuen Ideen zurückzukehren.
Ins Handeln kommen
Der Fokus ändert sich: In den vergangenen zehn Jahren standen die Foren im Zeichen von Konzepten, Analysen, Überzeugungsarbeit und Machbarkeit – in diesem Jahr ging es noch stärker darum, viele weitere Projekte umzusetzen.
Heute geht es nicht nur darum sich zu vernetzen und zu reden, sondern auch darum ins Handeln zu kommen.
Andreas Giga
Leiter der Serviceorganisation der Zukunftsinitiative Klima.Werk
Vernetzen, lernen und gemeinsam Handeln
Im Fokus stand der Austausch: Keine Frontalvorträge, sondern gemeinsames Lernen an echten Beispielen und die Vernetzung der Fachleute aus der Emscher-Lippe-Region und auch darüber hinaus.Vernetzten, lernen und gemeinsam Handeln
Zu Gast in Gladbeck
Jedes Jahr übernimmt eine Stadt zusammen mit der Serviceorganisation der Zukunftsinitiative Klima.Werk Die Serviceorganisation (SO) bei Emschergenossenschaft und Lippeverband unterstützt die Städte der Zukunftsinitiative Klima. Mehr erfahren bei Emschergenossenschaft/Lippeverband die Organisation des Forums. Für Gladbeck bot dies eine gute Möglichkeit, zu zeigen, welche Fortschritte die Stadt bei der Klimafolgenanpassung Klimafolgenanpassung umfasst Maßnahmen, um die negativen Folgen des Klimawandels zu begrenzen und die Widerstandsfähigkeit von Mensch und Umwelt zu stärken. Dazu gehören zum Beispiel Hitzeschutz in Städten, wasserbewusste Stadtplanung oder der Umbau von Infrastrukturen gemäß des Schwammstadtprinzips. Mehr erfahren gemacht hat.
Zukunft greifbar machen
Wie können wir ein positives Bild der Stadt von morgen zeichnen – eines, das die neue Klimarealität widerspiegelt, ohne die Menschen abzuschrecken, sondern Akzeptanz für Veränderung schafft? Diese Frage wurde auf dem Klima.Werk-Forum immer wieder diskutiert. Unter anderem ein Ausgangspunkt: die visuelle Utopie.
Klimapolitik & Verkehrswende gemeinsam denken
Als Speaker zeigte Ingwar Perowanowitsch, wie Klimapolitik und die Verkehrswende Hand in Hand gehen. Er berichtete von seiner Leidenschaft für Radreisen und eine Stadtentwicklung, die Fußgängern und Radfahrern mehr Platz einräumt und damit Städte lebenswerter macht. Inspiriert durch die Erfahrungen auf seinen Touren ist er der Frage nachgegangen, wie Städte die Verkehrswende erfolgreicher gestalten können.
Cycling Cities
Für sein neues Filmprojekt „Cycling Cities“ bereiste er die fahrradfreundlichsten Städte Europas – darunter Paris, Gent, Amsterdam, Utrecht, Hamburg und Kopenhagen. Der Film zeigt, wie autofreie Zonen, Rückbau von Autoinfrastruktur, Förderung des Radverkehrs, Entsiegelung Bei einer Entsiegelung werden wasserundurchlässige Böden wie Asphalt, Betonflächen oder Pflastersteine entfernt und durch Wiese, versickerungsfähiges Pflaster (zum Beispiel Rasengittersteine), Beete oder andere wasserdurchlässige Varianten ersetzt. Mehr erfahren und Begrünung sowie soziale Verbesserungen im öffentlichen Raum die Lebensqualität und Klimaresilienz Klimaresilienz beschreibt die Fähigkeit, die Folgen des menschengemachten Klimawandels abzumildern, sich anzupassen und sich von Extremwetter wie Hitze, Trockenheit und Starkregen schneller zu erholen. Mehr erfahren erhöhen.
Workshops
Die Umsetzung stand im Fokus
Wie gehen Hitzeaktionsplanung und Klimaanpassung zusammen? Wird aus der Empfehlung für bestimmte Maßnahmen der wasserbewussten Stadtentwicklung eine Pflicht? Wie sehen die richtigen Werkzeuge für die Projektumsetzung aus? Das breite Angebot von Workshops zu den unterschiedlichsten Themen bot den Teilnehmenden die Chance, sich zu Fachthemen auszutauschen: von Fachleuten für Fachleute.
Workshop 1
KRiS trifft Hitzeaktionsplanung
Auch Hitze kennt keine Stadtgrenzen. Mit dem Hitzeaktionsplan bereitet sich die Region auf häufigere Hitzetage vor. Im Workshop diskutierten die Teilnehmenden, welche Synergien sich aus der Hitzeaktionsplanung für die Arbeit in den Gestaltungsräumen der „Klimaresilienten Region mit internationaler Strahlkraft“ (KRiS) ergeben.
Workshop 2
Einfach mal machen? Aber nicht planlos!
In diesem Workshop diskutierten die Teilnehmenden, welche Instrumente und Methoden eine erfolgreiche Umsetzung fördern – am Beispiel eines vermeintlich gescheiterten Projekts aus Bottrop.
Workshop 3
Von der Empfehlung zur Pflicht
Bisher sind die Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung nicht verpflichtend. In diesem Workshop diskutierten die Teilnehmenden das Für und Wider einer verpflichtenden Klima-Checkliste für öffentliche und private Flächeneigentümer:innen.
Schnitzeljagd
Ab durch die Halle
Wer neben den Gesprächen, Workshops und Exkursionen noch Zeit für eine kleine Schnitzeljagd hatte, konnte sich auf die Suche nach zehn versteckten Aufgaben machen. Unser Favorit: Das Herz fürs Klima.
Raus in die Praxis
Damit es nicht nur theoretisch blieb, ging es raus zu Best-Practice-Beispielen: Regenwasser- Abkopplung Werden Niederschlagsabflüsse von Grundstücks- oder Dachflächen nicht mehr in die Kanalisation geleitet, spricht man von Abkopplung. Mehr erfahren im Neubaugebiet oder im Bestand,, Fassadenbegrünung Fassadenbegrünung ist eine Form der Gebäudebegrünung Mehr erfahren oder die Umgestaltung von Durchgangsstraßen mit Schwammstadt Die Schwammstadt ist ein Konzept der Stadtplanung: Die Stadt soll mit „Poren“ ausgestattet werden, die Regenwasser wie ein Schwamm aufsaugen, speichern und schließlich wieder abgeben. Mehr erfahren -Elementen – die Teilnehmenden konnten bei mehreren Projekten vor Ort praktische Erfahrungen sammeln und ihre Fragen stellen.
Schwammstadt Gladbeck
Als Gastgebende Kommune konnte sich Gladbeck gleich mit mehreren Klima.Projekten präsentieren. Das Thema Regenwasser ist integraler Bestandteil bei der Planung neuer Wohn- und Gewerbegebiete, aber auch im Bestand – davon konnten sich die Teilnehmenden direkt vor Ort ein Bild machen.
Blauweiß meets Blaugrün
Auf dem Berger Feld in der Nähe der Veltins Arena in Gelsenkirchen wurde durch ein Grabensystem das vormalige Mischsystem auf ein Trennsystem umgestellt. Ziel war es, aufbauend auf den bestehenden Gräben ein Gesamtkonzept umzusetzen, das diese systematisch verbindet und das Regenwasser dann in eine Wasserrückhaltung führt – so dass es nicht mehr zusammen mit dem Abwasser Abwasser ist Wasser, das durch häusliche, gewerbliche, industrielle oder landwirtschaftliche Nutzung verunreinigt wurde und abgeführt werden muss. Mehr erfahren zur Kläranlage geleitet wird.
Aus meiner Sicht lag die Hauptaufgabe darin, die Vielzahl an Akteuren unter einen Hut zu bekommen.
Alfred Dix
Gelsenkanal Stadt Gelsenkirchen
Industriedenkmal trifft aufs Klima.Werk
Auch der Veranstaltungsort selbst – die Maschinenhalle Zweckel – ist ein Beispiel, wie Regenwasser vor Ort gesammelt und genutzt werden kann. Die 4.000 Quadratmeter Dachfläche der Halle sind komplett abgekoppelt. Ein Teil des Wassers wird als Löschwasser sowie zum Spülen der Toiletten genutzt. Der andere Teil fließt über Fallrohre und einen Überlauf in Muldenflächen, unter denen Rigolen Rigolen sind teil- oder vollständig unterirdisch angelegte Pufferspeicher, deren Zweck es ist, Regenwasser zu speichern oder zwischenzuspeichern, um es dann nach und nach versickern zu lassen. Mehr erfahren das überschüssige Regenwasser speichern und langsam versickern lassen.
Entspannter Ausklang
Der erste Tag endete mit einem entspannten Ausklang, um bei Getränken und lockerer Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen.
Impressionen Tag 1
Tag 2
Überregionale Lösungen
Der Klimawandel Der Begriff Klimawandel bezeichnet langfristige Veränderungen der Wetterbedingungen auf der Erde. Mehr erfahren macht nicht an Stadtgrenzen halt. Deshalb setzt sich die Zukunftsinitiative Klima.Werk Die Zukunftsinitiative Klima.Werk ist ein Bündnis aus Kommunen in der Emscher-Lippe-Region und von Emschergenossenschaft/Lippeverband. Mehr erfahren dafür ein, gemeinsam als Region Lösungen zu entwickeln. Das Programm des zweiten Tages unterstrich diesen Anspruch.
Es geht am Ende darum, die Anpassung an den Klimawandel Wirklichkeit werden zu lassen und die Schwammstadt in unserer Region zu erschaffen.
Prof. Dr. Uli Paetzel
Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband
Hoher Besuch
Ein ganz besonderes Highlight am zweiten Tag des Forums war der Besuch von drei Geografie-Leistungskursen des Heisenberg-, Riesener- und Ratsgymnasiums aus Gladbeck.
Mit der Jugend die Zukunft gestalten
Die jungen Erwachsenen hatten vor Ort die Möglichkeit, mit den Fachleuten in einen direkten Austausch zu gehen. Sie diskutierten Sorgen und Lösungswege rund um den Klimawandel und lernten zugleich vielfältige Berufsbilder kennen, die bei der Umsetzung der klimaresilienten Region eine Rolle spielen.
Zukunftsvisionen im Vergleich
Im Vorfeld fanden auch Unterrichtsbesuche in den jeweiligen Kursen statt. Aus den Gedanken, Wünschen und Forderungen der Oberstufenschüler:innen wurde mit Hilfe generativer KI jeweils eine Zukunftsvision für unsere Städte erstellt. Auf dem Klima.Werk-Forum wurden diese dann mit der Vision der Dezernentinnen und Dezernenten verglichen – Ausgangspunkt für eine rege Diskussion im Plenum.
Die Städte müssen in die Lage versetzt werden, die wichtigen Maßnahmen zur Klimafolgeanpassung auch umzusetzen. Da wünsche ich mir mehr Unterstützung von Land und Bund.
Bettina Weist
Bürgermeisterin Stadt Gladbeck
Ab auf die Insel
Am zweiten Tag hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, an sogenannten Talk-Inseln zu einem spezifischen Thema ins Gespräch zu gehen.
Wir arbeiten digital und dezentral, wir vereinsamen und befinden uns im Dauerstress. Wir gleichen das aus mit Meditation, Austausch mit Freunden und Sport. Deswegen ist es wichtig, dass wir New Work flexibel verstehen – digital und menschlich.
Liana Weismüller - Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit von Emschergenossenschaft/Lippeverand
zum Thema New Work
Demokratie Quo Vadis?
Wie kann die Verwaltung der Kommunen in Zeiten sich wandelnder Mehrheitsverhältnisse ihren langfristigen Auftrag erfüllen? Wie gehen Emschergenossenschaft/Lippeverband mit den aktuellen Wahlergebnissen um und welchen Beitrag leistet die Organisation selbst zum demokratischen Prozess. Diese und weitere Fragen standen an der Talk-Insel mit dem Vorstandsvorsitzenden Uli Paetzel im Fokus.
Technische Lösungen gibt es ja genügend – beispielsweise das Kopenhagen-Modell, bei dem die verschiedenen Wasserspeicher als zusammenhängendes System unterhalb der Straßen geplant werden.
Frank Obenaus - Technikvorstand
über Wasserkreislauf und Infrastruktur der Zukunft
Zwischen Klima und Kompromiss
Bürgermeisterin Bettina Weist stellte sich der Frage „Was bewegt die Städte?“ Ihre Antwort: Das sind in erster Linie die Bürgerinnen und Bürger. Diese noch stärker zu aktivieren, sieht sie als zentrale Aufgabe. Denn: Es kann nicht alles nur durch die Verwaltung vorgegeben oder umgesetzt werden.
Zum Energietanken
Nach der Pause stand Bewegung auf dem Programm: Gemeinsam mit Gregor Krolewski, Gesundheitskoordinator bei Emschergenossenschaft/Lippeverband, konnten die Teilnehmenden mit einfachen Übungen neue Energie und Motivation tanken.
Entscheidend ist, dass wir Wasser als Teil der Lösung begreifen – als verbindendes Element, das vor Gemeindegrenzen keinen Halt macht.
Prof. Dr. Frank Obenaus
Technikvorstand Emschergenossenschaft und Lippeverband
Zeit für Reflexion
Im zweiten Workshop-Block arbeiteten die Teilnehmenden in kleinen Gruppen und reflektierten, was getan werden muss, um vom Reden ins Handeln zu kommen.
Impressionen Tag 2
Wo stehen wir?
Dr. Markus Bradtke, Stadtbaurat der Stadt Bochum, schloss das zweitägige Event mit einem Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre, einer Standortbestimmung und einem Ausblick auf die Zukunft.
Das politische Klima hat sich verändert. Die Räte setzen sich anders zusammen. Es gibt da Personen, die leugnen, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt. Dieser Skepsis müssen wir mit Fakten begegnen.
Dr. Markus Bradtke
Stadtbaurat der Stadt Bochum
Ich bin Klima.Werker:in
Wir möchten zeigen, wie vielfältig und groß das Klima.Werk ist – und wer alles im Hintergrund an der klimaresilienten Schwammstadt von morgen arbeitet! Deshalb kamen auch dieses Jahr wieder einige neue Gesichter zu unserer Klima.Werker:innen-Galerie dazu.
Ins Handeln kommen – die Konzepte Realität werden lassen, um das Emscher-Lippe-Gebiet zu einer klimaresilienten Region mit internationaler Strahlkraft zu entwickeln. Andreas Giga gab zum Abschluss eine Wasserstandsmeldung:
87
Förderanträge seit Inkrafttreten der Förderrichtlinie
67
Konzepte und Studien
20
Baumaßnahmen
22
Mio. Euro bewilligte Förderung aus Landesmitteln
Rekordteilnahme
Mit mehr als 400 Teilnehmenden war das Forum so gut besucht wie nie zuvor. Das Feedback: exzellenter Austausch auf Fachebene, gute Möglichkeit zum Netzwerken und hervorragend organisiert.
Dorsten nächster Gastgeber
Für 2026 ist der Staffelstab an die Stadt Dorsten weitergereicht worden. Das Forum wird damit zum ersten Mal in der Lippe-Region stattfinden.
Großes Dankeschön
Ein großes Dankeschön geht an das Moderationsteam Lisa Schaaf (re.), Andreas Giga, Fiona Osner und Frank Restemeyer (li.), die durch das zweitägige Event führten und natürlich an die ganze Planungsrunde für die Organisation!
Weitere Informationen
Expertenforum 2024
Das gemeinsame und integrale Handeln zog sich deshalb auch wie ein roter Faden durch das Programm der zweitägigen Veranstaltung.
Der Wandel beginnt im Kopf. Damit das Umdenken gelingt, sind Bewusstsein und Verständnis für Klimaanpassung wichtig. Mit unseren Initiativen und Erlebnissen wird der Sinnes.Wandel möglich.