Paulusanger in Recklinghausen wird klimarobust umgebaut

Pressemitteilung vom 13.08.2025

Neues Rigolensystem im Wohnquartier speichert Regenwasser. Projekt der „Klimaresilienten Region mit internationaler Strahlkraft“

Im Rahmen des Landes-Förderprogramms „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft (KRiS)“ ist am Paulusanger in Recklinghausen die Installation eines klimaresilienten Niederschlagsbewirtschaftungssystems für ein rund zwei Hektar großes Areal gestartet. Der Paulusanger ist Teil des KRiS-Gestaltungsraums „Erlbruchpark“. Emschergenossenschaft/Lippeverband und die Zukunftsinitiative Klima.Werk unterstützen das Bauprojekt. 

An einer Baustelle werden unterirdische Rigolen gebaut, die Niederschlagswasser speichern.
Ein Baustein der neuen Regenwasserbewirtschaftung sind Rigolen, die unterirdisch verbaut werden und Niederschlagswasser speichern. | © Daniel Maiß / Stadt Recklinghausen

„Dieses Projekt ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, unsere Stadt widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und gleichzeitig die städtebauliche Entwicklung nachhaltig zu gestalten“, erklärte Bürgermeister Christoph Tesche bei der Projektvorstellung. Der Paulusanger, der sich auf einer Fläche von etwa zwei Hektar erstreckt, ist ein bedeutendes Bindeglied im Rahmen des sogenannten Gestaltungsraums „Erlbruchpark“. „Ziel ist es, die Auswirkungen von Starkregen, Hitzeperioden und Dürre zu minimieren und die Lebensqualität in der Stadt langfristig zu sichern“, so Tesche weiter.

Drei Gestaltungsräume in Recklinghausen

Das Projekt am Paulusanger ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets, das die Verwaltung der Stadt Recklinghausen nach einem Ratsbeschluss am 30. September 2019 in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Im Rahmen der Ratsbeschlüsse vom 27. November 2023 wurden die drei Gestaltungsräume „Stadtgarten“, „Ludwig-Erhard-Allee“ und „Erlbruchpark“ offiziell angemeldet. Für den Paulusanger wurden bereits Förderanträge gestellt, um die klimarelevant geplanten Maßnahmen umzusetzen. Die Förderung erfolgt zu 60 Prozent durch das Land Nordrhein-Westfalen, den Rest übernehmen Emschergenossenschaft/Lippeverband (EGLV).

„Das Förderprogramm KRiS ist so konzipiert, dass es als Vorbild für andere Städte und Regionen dienen kann. Durch die Anwendung moderner, nachhaltiger Technologien und Strategien soll es eine Signalwirkung entfalten. Es zeigt, wie Kommunen aktiv und zukunftsorientiert den Klimawandel bewältigen können“, erklärte Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft/Lippeverband, bei der Projektvorstellung.

Überflutungen und Schäden vermeiden

Der Fokus am Paulusanger liegt auf der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung. Das bedeutet, dass anfallendes Regenwasser künftig gezielt versickert, verdunstet und/oder kontrolliert abgeleitet wird, um Überflutungen und Schäden zu vermeiden. Hierfür werden spezielle Rigolen gebaut, die das Wasser aufnehmen und weiterleiten. Das Regenwasser wird durch die belebte Bodenzone gereinigt. Zusätzlich werden Mulden angelegt, die das Wasser sammeln und gedrosselt in einen Regenwasserkanal ableiten.

Das Ziel ist, mindestens 25 Prozent der Niederschlags-Entwässerung von befestigten Flächen in dem Gestaltungsraum vom Mischwasserkanal abzutrennen, um die Kanalisation zu entlasten und die Umwelt zu schützen. Durch die Versickerung des Regenwassers wird die Grundwasserneubildung gefördert, die Hitzeentwicklung im Sommer reduziert und die Gefahr von Überflutungen bei Starkregen minimiert. Zudem trägt das Projekt dazu bei, die städtische Infrastruktur nachhaltiger zu gestalten und den öffentlichen Raum attraktiver zu machen.

Arbeiten sollen bis zum Sommer 2026 abgeschlossen sein

Die Bauarbeiten wurden nach einer europaweiten Ausschreibung an eine Bietergemeinschaft vergeben, die sowohl die entwässerungstechnischen Belange, die ökologische Gestaltung als auch die verkehrstechnische Planung übernimmt. Die Arbeiten am Paulusanger sollen bis zum Sommer 2026 abgeschlossen sein. Dann wird es auch eine offizielle Eröffnung geben.

Während dieser Zeit werden die bestehenden Flächen umgestaltet, neue Grünflächen angelegt und die Infrastruktur für die Regenwasserbewirtschaftung integriert. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einbindung der Öffentlichkeit. Dazu wurden bereits Informationsveranstaltungen und Bürgerbeteiligungen durchgeführt, um die Anwohner*innen über die Maßnahmen zu informieren und Anregungen aufzunehmen. Ziel ist es, den Paulusanger und den gesamten Gestaltungsraum „Erlbruchpark“ zu einem lebendigen und nachhaltigen Stadtquartier zu entwickeln.

Die Kostenschätzung für den Endausbau des Paulusangers beträgt rund 1,75 Millionen Euro. Insgesamt belaufen sich die Kosten für den Betrachtungsraum „Erlbruchpark“ laut aktuellen Schätzungen auf rund 13,5 Millionen Euro.

Die Zukunftsinitiative Klima.Werk und KRiS

In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der grün-blaue Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk.

Unter dem Dach des Klima.Werks wird das Ruhrkonferenz-Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, an dem sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region beteiligen. Die Förderkulisse des Projekts umfasst das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (53 Städte und Gemeinden). In den klimafesten Wandel sollen bis 2030 rund 250 Millionen Euro investiert und in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abgekoppelt und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte gesteigert werden. Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative bei Emschergenossenschaft und Lippeverband setzt mit den Städten die Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung um. Weitere Informationen (auch zu Förderung von Projekten) auf www.klima-werk.de.

Die Emschergenossenschaft und der Lippeverband

Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) sind öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsunternehmen, die als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip leben. Die Aufgaben der 1899 gegründeten Emschergenossenschaft sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Der 1926 gegründete Lippeverband bewirtschaftet das Flusseinzugsgebiet der Lippe im nördlichen Ruhrgebiet und baute unter anderem den Lippe-Zufluss Seseke naturnah um. Gemeinsam haben Emschergenossenschaft und Lippeverband rund 1.800 Beschäftigte und sind Deutschlands größter Abwasserentsorger und Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken (rund 782 Kilometer Wasserläufe, rund 1533 Kilometer Abwasserkanäle, 546 Pumpwerke und 59 Kläranlagen). www.eglv.de

Die Emschergenossenschaft

 

Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden über 130 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de

Die Zukunftsinitiative Klima.Werk

In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk. Seit 2025 gibt es neu das Programm Emscher-Lippe Klima.Anpassung (ELKA), das Bausteine zum Schwammstadt-Umbau von öffentlichen und privaten Flächeneigentümer:innen fördert.

Unter dem Dach des Klima.Werks wird das Ruhrkonferenz-Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, an dem sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region beteiligen. Die Förderkulisse des Projekts umfasst das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (53 Städte und Gemeinden). In den klimafesten Wandel sollen bis 2030 rund 250 Millionen Euro investiert und in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abgekoppelt und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte gesteigert werden. Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative bei Emschergenossenschaft und Lippeverband setzt mit den Städten die Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung um. Weitere Informationen (auch zu Förderung von Projekten) auf www.klima-werk.de.