Eine bessere Vorsorge für Hitzeperioden anmahnen und Wissenslücken mit Blick auf das gesundheitliche Risiko von schließen: Das sind Ziele des bundesweiten Hitzeaktionstags am 11. Juni. Aus diesem Anlass treffen sich kommunale Mitarbeitende aus den Bereichen Gesundheits-, Sozial- und Umweltplanung aus rund 20 Städten der zu einem gemeinsamen Hitzeschutzforum in Oer-Erkenschwick.


Anlässlich des Hitzeaktionstags am 11. Juni 2026 macht ein bundesweites Bündnis aus dem Gesundheits- und Klimabereich auf Hitze als größtes klimabedingtes Gesundheitsrisiko aufmerksam. Durch den treffen zunehmend Hitzewellen Deutschland, wodurch insbesondere Risikogruppen gefährdet sind. Laut der Europäischen Umweltagentur sind zwischen 1980 und 2023 95 Prozent der wetterbedingten Todesfälle auf Hitze zurückzuführen (EUA: Heat and Health 2024). Zu den Risikogruppen gehören Menschen, die stärker gefährdet sind, bei Hitze gesundheitliche Probleme zu entwickeln: Dazu zählen ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere, sozial benachteiligte Menschen sowie Menschen, die im Freien arbeiten oder Sport treiben.
Gemeinsame Vorbereitung auf Hitzelagen
Beim Hitzeschutzforum in Oer-Erkenschwick kommen die Akteure und Akteurinnen zusammen, um die Zwischenergebnisse des Projekts „HAP.Regio – Gemeinsame Hitzeaktionsplanung in der Emscher-Lippe-Region" zu diskutieren und weiterzuentwickeln. An dem Projekt nehmen unter dem Dach der Zukunftsinitiative Klima.Werk die 16 Städte entlang der Emscher, die Kommunen des Kreises Recklinghausen sowie Emschergenossenschaft/Lippeverband teil. „Mit der Teilnahme am Projekt und unserem Hitzeschutzforum am bundesweiten Aktionstag wollen wir ein starkes Zeichen setzen", sagt Shoaiub Nazir, Bürgermeister der gastgebenden Kommune Oer-Erkenschwick. „Wir als Region und die einzelnen Städte im Projekt nehmen die Bedrohung durch Hitze ernst und bereiten uns gemeinsam auf Hitzelagen vor."
Gefährdete Gruppen besser schützen und warnen
Das bedeutet zum Beispiel, Bürgerinnen und Bürger besser und systematischer als bisher über die Risiken von Hitze und Vorsorgetipps zu informieren. Darüber hinaus gilt es, gefährdete Gruppen besser zu schützen und rechtzeitig zu warnen. „Das alles ist Teil einer kommunalen Hitzeaktionsplanung, die wir angesichts des Klimawandels etablieren wollen und müssen", sagt Christina Kutschaty, Technische Beigeordnete der Stadt Recklinghausen, stellvertretend für die Netzwerk- und Projektkommunen, im Vorfeld des Hitzeschutzforums. „Welche Meldeketten greifen im Ernstfall, was wird wann über welche Informationskanäle ausgespielt, welche Einrichtungen müssen wann gewarnt und einbezogen werden: Das sind die Standards, die wir im HAP.Regio-Projekt erarbeitet haben und noch erarbeiten", so Kutschaty weiter.
Planspiele simulieren Hitzelage
Diese Arbeits- und Entscheidungshilfe als Basis für eine kommunale Hitzeaktionsplanung ist Thema beim Hitzeschutzforum in der Stadthalle in Oer-Erkenschwick. Neben den Mitarbeitenden aus den Rathäusern sind auch Vertreter*innen aus Einrichtungen eingeladen, die potenzielle Risikogruppen betreuen. Mit den Praktiker*innen aus Kindertagesstätten, Pflegeheimen oder Förderschulen geht es in den Austausch, um konkretes Vorgehen im Akutfall abzusprechen. Die Teilnehmer*innen des Forums können außerdem zum Beispiel an Planspielen teilnehmen, die eine Hitzelage simulieren. „In diesem Rahmen den Ernstfall zu üben und dabei festzustellen, wo es in der Praxis möglicherweise noch hakt oder etwas verbessert werden kann, ist wertvoll", sagt auch Dr. Thomas Griebe, Stadtkoordinator im Klima.Werk und stellvertretender Leiter des Duisburger Umweltamtes.
Zwei Warnstufen bei Deutschem Wetterdienst
Doch was macht eine Hitzelage aus? Bei Hitzewarnungen unterscheidet der Deutsche Wetterdienst zwei Warnstufen: Eine Hitzewarnung der Stufe 1 wird dann herausgegeben, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag einen bestimmten Schwellenwert überschreitet. Dieser Schwellenwert liegt bei etwa 32°C, kann aber aufgrund eines Akklimatisationseffektes im Frühsommer etwas niedriger und im Hochsommer etwas höher liegen. Als weiteres Kriterium einer Warnung wird die nächtliche Temperatur von Innenräumen herangezogen. Denn bleibt die Nacht zu warm, verschlechtert sich die Schlafqualität. Durch diese zusätzliche Belastung wird die Hitze tagsüber schlechter verkraftet. Überschreitet die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag einen Wert von 38°C, erfolgt eine Hitzewarnung der Stufe 2.
NRW-Umweltministerium fördert HAP.Regio-Projekt
Entstanden ist das HAP.Regio-Netzwerk in der Zukunftsinitiative Klima.Werk. Die Initiative hat sich bislang insbesondere auf die Prävention von Starkregenereignissen fokussiert und den Umbau zu klimaresilienten Städten nach dem -Prinzip gefördert. Mit dem übergeordneten Ziel, eine klimaresiliente Region zu schaffen, wird mit der gemeinsamen Hitzeaktionsplanung auch das Themenfeld der Hitzevorsorge erschlossen.
Gefördert wird das Projekt „HAP.Regio“ mit rund 1,4 Millionen Euro durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Ministerium setzt dafür Fördergelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE/Regio.NRW - Transformation) ein. Im Rahmen des Projekts werden zahlreiche Arbeits- und Entscheidungshilfen erstellt, die nach Fertigstellung veröffentlicht und somit auch Kommunen außerhalb der Emscher-Lippe-Region zur Verfügung gestellt werden. Die Projektlaufzeit endet im April 2027.
Mehr Informationen über das Projekt: HAP.Regio: Mehr Schutz in der heißen Stadt
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Die Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die . Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden über 130 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de
Die Zukunftsinitiative Klima.Werk
In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk. Seit 2025 gibt es neu das Programm Emscher-Lippe Klima.Anpassung (ELKA), das Bausteine zum Schwammstadt-Umbau von öffentlichen und privaten Flächeneigentümer:innen fördert.
Unter dem Dach des Klima.Werks wird das Ruhrkonferenz-Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, an dem sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region beteiligen. Die Förderkulisse des Projekts umfasst das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (53 Städte und Gemeinden). In den klimafesten Wandel sollen bis 2030 rund 250 Millionen Euro investiert und in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abgekoppelt und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte gesteigert werden. Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative bei Emschergenossenschaft und Lippeverband setzt mit den Städten die Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung um. Weitere Informationen (auch zu Förderung von Projekten) auf www.klima-werk.de.