Lebenswerte Straße von morgen
Wohnräume zu Erlebnisräumen machen
Zunehmender Autoverkehr und die globalen Herausforderungen des Klimawandels wirken sich negativ auf die Lebensqualität im Stadtraum aus. Das Forschungsprojekt „Lebenswerte Straßen, Orte und Nachbarschaften“ (LesSON) setzt genau an dieser Stelle an und will Straßen neu denken. Ideen, was eine lebenswerte Straße ausmacht, gibt es viele. Einige davon könnten im Neuen Graben in Dortmund und in der Lothringer Straße in Gelsenkirchen Realität werden.
Info
Das Projektteam hat sich aus Vertreter:innen des Wuppertal Instituts, der Emschergenossenschaft mit der und der MUST Städtebau GmbH zusammengesetzt. Beteiligt waren außerdem die Stadtverwaltungen von Dortmund und Gelsenkirchen. Finanziell gefördert wurde das Projekt vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Studie ist abgeschlossen, für die Umsetzung können die beiden Städte auf Fördermittel des NRW-Städtebauministeriums setzen.
Was macht eine Straße lebenswert?
Der Mensch im Mittelpunkt
Im Rahmen von LesSON ging es darum, Wohn- und Straßenraum lebenswert zu gestalten. Doch was genau heißt das eigentlich? Es bedeutet, die Bedürfnisse der dort lebenden Menschen in den Fokus zu rücken und Mobilitätswende, sowie Aufenthaltsqualität miteinander zu vereinbaren.
Die Straße ist dabei ein öffentlicher Raum, der verstärkt zu einem Begegnungsort werden soll. Menschen sollen sich hier gerne treffen und sich auch gerne aufhalten. Straßen lebenswerter zu machen, bedeutet die Nutzungs- und Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Während sich Städte bislang vor allem nach Autos richten, werden Straßen mittlerweile nicht nur als Verkehrswege betrachtet. Nichtsdestotrotz sollen sich Menschen im Straßenraum sicher und komfortabel bewegen können. Autos, die eine Umwelt- und Lärmbelastung darstellen, sind dabei nicht das alleinige Verkehrsmittel. Im Zuge der Mobilitätswende gewinnen Radfahrer:innen und Fußgänger:innen im Verkehrsraum mehr an Bedeutung. Ihnen wird dementsprechend in den Vorschlägen von LesSON für die Umgestaltung der beiden Projektstraßen mehr Platz eingeräumt.
Nicht zuletzt dienen Straßen auch als Orte, um Hitzeperioden und , also Folgen des Klimawandels, abzumildern. Das passiert über weniger versiegelte und über mehr grüne Infrastruktur wie Straßengrün und Straßenbäume, Siedlungsgrün, Grünflächen an Gebäuden, Spielplätze oder Sportflächen. Diese sorgen dafür, dass Regenwasser besser versickern oder verdunsten kann, um so die Temperatur in der Umgebung zu senken. Darüber hinaus dienen Grünflächen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und zahlen so zusätzlich auf die , also die , in der Stadt ein.
Interventionen geben Vorgeschmack
Bürgerbeteiligung zur Stadtgestaltung in Dortmund & Gelsenkirchen
Die Entwürfe der Zukunftsbilder wurden den Anwohner:innen im Rahmen von Straßen-Workshops gezeigt und zur Diskussion gestellt. Im Rahmen dieser temporären Erlebnisräume beziehungsweise dieser sogenannten Interventionen wurden die Straßen gesperrt und umgebaut. Bürger:innen hatten auf diese Weise nicht nur die Möglichkeit zur Beteiligung, sondern die Zukunftsbilder wurden für sie von den Projektverantwortlichen auch erlebbar gemacht.
Die weiteren Anregungen der Menschen vor Ort wurden anschließend ausgewertet und flossen in die bestehenden Entwürfe ein. Die tatsächliche Umsetzung erfolgt nun über die beiden Städte, wenn die Kommunalpolitik vor Ort entsprechend entscheidet. Die Chancen, dass die Zukunftsbilder Realität werden, sind gut: Sowohl die Stadt Dortmund als auch die Stadt Gelsenkirchen konnten mit den neuen Straßenkonzepten beim NRW-Landeswettbewerb „Zukunft Stadtraum“ gewinnen und haben so die Möglichkeit, weitere Fördermittel zu beantragen.
Stadtgestaltung denkt Klimafolgen mit
Klimaschutz und Klimafolgenanpassung mitten im Ruhrgebiet
Und nicht nur mehr Raum für Menschen wird in den Vorschlägen von LesSon geschaffen: Durch den progressiven Umbau der Wohnstraßen wird zudem Platz gemacht für Maßnahmen der Klimafolgenanpassung, die das Mikroklima in den Straßen in Dortmund und Gelsenkirchen verbessern.
- Pflanzung von unterschiedlichen klimaresilienten Bäumen, Büschen und sonstigen Pflanzen in Beeten sorgt für Kühlung des Straßenraums, auch an heißen Tagen
- Über die Grünelemente kann Regenwasser versickern, was ein Baustein für die ist
- In Gelsenkirchen: Wasserspiele oder kühlende Zerstäubersysteme sorgen für Erfrischung
- In Dortmund: Pflanzung von 16 neuen Bäumen, Sicherung von bestehenden Stadtbäumen und Vergrößerung von Baumscheiben
Das langfristige Ziel ist es übrigens, dass noch weitere lebenswerte Straßen folgen. Die Pilotstraßen in Dortmund und Gelsenkirchen sollen als Leuchtturmprojekte für die Umgestaltung von anderen Straßen in der Region und darüber hinaus dienen.
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Bilder: Zukunftsinitiative Klima.Werk/EGLV, MUST











